| Vorbemerkung
Walter Maurer hat angeblich dafür gesorgt hat, daß sein Buch Accordion. Handbuch eines Instruments, seiner historischen Entwicklung und seiner Literatur kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung nicht mehr im Handel erhältlich ist. In der Zeitschrift Harmonika International Nr. 2 (2001), S. 104, heißt es 1982 [sic] erschien sein Buch ,ACCORDION', das - obwohl es eine Kritik gab - zum erfolgreichsten geworden ist, wurden doch 3.300 Exemplare verkauft." Demnach hat das Buch weite Verbreitung gefunden. Die in ihm enthaltenen Plagiate und die inhaltlichen, sachlichen und begrifflichen Unzulänglichkeiten und Irrtümer, aufgrund derer die Publikation wissenschaftlichen Ansprüchen und Erfordernissen in keiner Hinsicht gerecht wird, haben wir 1984 in einer kritischen Besprechung nachgewiesen. Diese ist erstmals erschienen in Das Akkordeon. Fach- und Informationsschrift des Deutschen Akkordeonlehrer-Verbandes e.V. Nr. 9 (Dezember 1984) S. 40-58, und kurze Zeit danach als Sonderdruck [Signatur im Bestand der Deutschen Bibliothek Leipzig: 1987 A 494]. Dennoch ist Maurers Buch seitdem mehrmals unkritisch, auch in wissenschaftlichen Publikationen, als Quelle zitiert worden, beispielsweise in folgenden Büchern:
Im April 2005
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Helmut C. Jacobs/Ralf Kaupenjohann
Rezension zu
Walter Maurer: Accordion.
Handbuch eines Instruments, seiner historischen Entwicklung und seiner
Literatur, Wien 1983 (Edition Harmonia, Wien)
Unveränderter Nachdruck
aus:
Das Akkordeon. Fach- und
Informationsschrift des Deutschen Akkordeonlehrer-Verbandes e.V.
Nr. 9 (Dezember 1984) S.
40-58.
Englische Übersetzung der Zusammenfassung: Inez Klugmann
1. Auflage 1985
2. Auflage 1988
Internetveröffentlichung: 2005
© AUGEMUS Musikverlag,
Ralf Kaupenjohann, Bleckstr. 1a, D-44809 Bochum
Nachdruck nur mit Angabe
der Quelle gestattet! Eine gedruckte Fassung der 2. Auflage ist gegen Einsendung
eines frankierten Rückumschlags vom Verlag erhältlich.
Maurers Vorhaben, diesem Bedürfnis
gerecht zu werden und damit eine lange Zeit schon klaffende Lücke
zu füllen, muß man positiv bewerten.
Gleich beim ersten oberflächlichen
Durchblättern seines Buches treten jedoch deutliche Mängel hervor,
die einem Handbuch schlecht anstehen:
Bereits im ersten Satz des Vorworts entstehen begriffliche Unklarheiten:
„ACCORDION - so von seinem Erfinder genannt - ist doch ein Musikinstrument, wie jedes andere auch, nur werden in ihm Fähigkeiten vermutet, die wohl kein anderes Instrument sein eigen nennt: es soll dem Vergleich mit dem Klavier oder gar mit der Orgel standhalten, ja sogar darüber hinausreichen, um volle Anerkennung zu finden!" (S. 7)Maurers inhaltliche Aussage bezieht sich auf das heutige Akkordeon, trotzdem bedient er sich der Schreibweise „Accordion", womit nur das Demiansche Instrument bezeichnet wird. Im folgenden verwendet Maurer aber den Begriff „Akkordeon" für das Demiansche „Accordion":
„Das Akkordeon ist erst 1829 erfunden worden ..." (S. 7)Maurer gebraucht demnach die beiden Begriffe „Accordion" und „Akkordeon" synonym, obwohl mit „Accordion" ein ganz bestimmter Instrumententypus bezeichnet wird und „Akkordeon" der Oberbegriff ist, unter den das Demiansche „Accordion" ebenso fällt wie beispielsweise auch das Einzeltonakkordeon und das Standardbaßakkordeon. Dieser Mangel an begrifflicher Klarheit erscheint schon im unglücklich gewählten Titel des Buches:
„Accordion. Handbuch eines Instruments, seiner historischen Entwicklung und seiner Literatur"vorgeprägt, demgemäß es sich eindeutig um eine spezielle Abhandlung des Demianschen „Accordions" handeln müßte.
Auch die Concertina bezeichnet Maurer als Akkordeon, wodurch die Begriffe erheblich unklarer werden:
„Komponisten wie B. Molique oder P. I. Tschaikowsky versuchten bescheiden das Akkordeon in ihren Kompositionen zu verwenden ..." (S. 7)Molique hat nicht für das Akkordeon, sondern für die Concertina komponiert.
Die Aussage des folgenden Abschnitts wird nur verständlich und erst dann in historischer Hinsicht richtig, wenn man den Begriff „Pianoakkordeon" durch „Knopfakkordeon" ersetzt:
„Für diese erste Zeit war das Pianoakkordeon ausschlaggebend, obwohl es bis dahin eine eher untergeordnete Rolle gespielt hatte. Auch musikpädagogische Erfahrungen gab es für Pianotasteninstrumente mehr als für die Knopfform. Sie wurden vom Klavier übernommen."Maurer behauptet:
(S. 7)
„Die Entwicklung der Literatur war jedoch in den letzten 50 Jahren enorm, was wohl kein anderes Instrument von sich behaupten kann. Um nur ein Beispiel zu nennen: Heute existieren mehr als 60 Konzerte für Akkordeon mit Sinfonie- oder Streichorchester ..." (S. 7)Diese Begründung Maurers für die Entwicklungsdynamik der Akkordeonliteratur im Vergleich zu derjenigen anderer Instrumente ist nicht aufrecht zu erhalten angesichts der Literaturfülle für andere Instrumente, von der Maurer offensichtlich nichts weiß. Beispielsweise lassen sich in einem Katalog eines einzigen niederländischen Musikverlags exakt neunzig Klavierkonzerte ausschließlich niederländischer Komponisten für die Zeit von 1933 bis heute nachweisen2.
Kapitel „Die freischwingende Durchschlagzunge - ihre Entwicklung in 4500 Jahren" (S. 9-22)
Wer zu Beginn des Kapitels eine grundlegende Definition des Begriffs „freischwingende Durchschlagzunge" erwartet, wird enttäuscht. In der Folge erweist sich dieses Fehlen der definitorischen Basis als erhebliche Beeinträchtigung für das Verständnis der Ausführungen Maurers, da er eine Vielzahl von Instrumenten mit den unterschiedlichsten Klangerzeugungsprinzipien vorstellt.
Er behandelt zunächst das Shêng,
doch in einer ebenso unehrlichen wie unwissenschaftlichen Art und Weise,
denn Maurer gibt sprachlich geringfügig geändert bzw. wortgetreu
abgeschrieben die Ausführungen Sonners 3
zu diesem Instrument wieder, ohne zu zitieren und ohne auf seine Quelle
im geringsten hinzuweisen. Die synoptische Gegenüberstellung der beiden
Texte zeigt eindeutig, daß Maurer Sonners Text plagiiert hat:
| Maurer
(S. 9-10)
Als Urform nimmt man die
tibetanisch-birmanesische Durchschlag- oder Freizunge an, die dann von
den Chinesen in das Shêng übernommen wurde. In ihrem Ursprung
hatte das Shêng eine kleine Kürbisschale als Windlade. Später
wurde sie durch anderes Material ersetzt. Diese Windlade wird durch einen
seitlich angebrachten Schnabel, von den Chinesen als ,Gänsehals' bezeichnet,
durch den Mund mit Luft versorgt. Im Deckel dieser Windlade stecken am
äußeren Rand die Bambuspfeifen. Im unteren Teil der Pfeifen
ist die Zunge so eingeschnitten, daß sie durch die Rohrwand frei
hindurchschwingen kann. Dieser tiefe Teil des Bambusrohres befindet sich
unter dem Deckel. Da alle Pfeifen durch die gemeinsame Windkammer mit Luft
versorgt werden, muß also verhindert werden, daß sie gleichzeitig
erklingen. Das wird auf folgende Art vermieden: In den über dem Deckel
befindlichen Teil der
|
Sonner
(S. 105-106)
Die Urform dürfte wohl
die tibetanisch-birmanesische Durchschlags- oder Freizunge gewesen sein,
die von den Chinesen dann in das Shêng übernommen worden ist.
Im Ursprung hat die chinesische Mundorgel, eben das Shêng, eine kleine
Kürbisschale die später aus anderem Material hergestellt wird,
als Windlade. Diese wird durch einen seitlich angebrachten Schnabel - der
Chinese bezeichnet diesen als ,Gänsehals' - durch den Mund mit Luft
gespeist. Im Deckel dieser Windlade stecken an der äußeren Peripherie
die Bambuspfeifen,
|
Maurers Kapitelüberschrift ist abzuleiten
von einem geringfügig geänderten Satz aus einem Text von Gerbeth4.
| Maurer
(S. 9)
Die freischwingende Durchschlagzunge - ihre Entwicklung in 4500 Jahren |
Gerbeth
(S. 11)
Die Entwicklung der freischwingenden oder durchschlagenden Zunge begann etwa 2000 Jahre vor der Zeitrechnung |
Die Abbildung der Tonfolgen beim Shêng (S. 10, Abb. 2), die Maurer in seinem Bildnachweis (S. 336) als seine eigene Zeichnung ausgibt, hat er fast unverändert von Roth 5 übernommen, womit er sich eines Bildplagiats schuldig gemacht und den Leser durch eine falsche Quellenangabe bewußt irregeführt hat.
Den Abschnitt über das Sho und die Abbildung 3 hat Maurer von Howarth bzw. Roth 6 plagiiert.
Auch die Ausführungen über das
Arghül hat er von Roth abgeschrieben, wie die folgende Synopse eindeutig
beweist:
| Maurer
(S. 12)
Auch im Ägypten der
Pharaonen läßt sich eine Doppelschalmei - ARGHÜL -
|
Roth
(S. 7)
Aus dem alten Ägypten
läßt sich außerdem eine Doppelschalmei ARGHÜL
|
Für die Ausführungen über die Musik im alten Ägypten (S. 12-13), deren Erzählstil in einem wissenschaftlichen Handbuch unangebracht ist, konnte Maurers Quelle nicht ermittelt werden. Für die Abbildung der ägyptischen Instrumentalisten (S. 13) fehlen die Abbildungsnumerierung und der Bildnachweis (S. 336).
Im Anschluß an diesen Abschnitt plagiiert
Maurer wieder Roths Text:
| Maurer
(S. 13-14)
Die in Bergen lebenden Veden
verwendeten ein Rinderhorn, um mit Hilfe einer zugeschnittenen Zunge aus
Rohr oder aus biegsamem Blech ein Instrument herzustellen.
|
Roth
(S. 11)
Auch die Inder hatten eine Musikkultur. Neben Schalmeien mit Gegenschlagszungen gab es welche mit durchschlagenden Zungen. Eine zugeschnittene Zunge aus fremdem Rohr oder auch biegsamem Blech wird auf eine oben befindliche Öffnung aufgeklebt. Die Klangfarbe ist verschieden und richtet sich nach der Größe, Form und Schwere sowie Elastizität der Zunge. Wilde indische Stamme setzen auch die Zunge in die hohle Seite eines Rinderhorns, so daß sie wie Nachtwächterhörner klingen. Diese Hörner kann man allerdings nicht mehr als Schalmeien bezeichnen. Hier liegt ein anderes akustisches Bild vor. |
Maurer macht beim Abschreiben folgenden Fehler: Roth beschreibt in seinem Text zwei verschiedene Instrumente, nämlich eine Schalmei und ein Musikinstrument, bestehend aus einem Rinderhorn, das Roth deutlich von dieser Schalmei unterscheidet. Maurer hat seine Textvorlage so verändert, daß er aus diesen beiden unterschiedlichen Instrumenten ein einziges macht, wobei er die Beschreibung der Klangerzeugung und -eigenschaften, die Roth für die Schalmei nennt, auf das Instrument aus Rinderhorn, das Roth erst danach beschreibt, bezieht und so einen völlig falschen Zusammenhang herstellt. Auch Maurers Ausführungen über ein Zungeninstrument aus Borneo, eines aus Chittagong und das laotische Khen sind fast im genauen Wortlaut von Roth abgeschrieben 7.
Den folgenden Abschnitt über Klarinette, Oboe und das Instrument mit „Bandblatt" hat Maurer von Wachsmann 8 plagiiert, dessen Aufsatz „Die primitiven Musikinstrumente" ebenso aus dem Buch von Baines stammt wie der bereits erwähnte, von Maurer plagiierte Aufsatz von Howarth. Die Abbildung des Oboen- und Fagottblattes (S. 14, Abb. 6) hat Maurer ebenfalls dort entnommen 9, wobei er sich in seinem Bildnachweis (S. 336) wiederum selber als Urheber der Zeichnungen ausgibt. Ebenso verfährt er bei sämtlichen Abbildungen auf S. 15 (Abb. 7-9), die auf Sachs 10 zurückzuführen sind. Dabei ist Abbildung 8 eine derart schlecht ausgeführte Zeichnung einer fotografischen Vorlage, daß die Perspektive der Abbildung und die Funktionsweise des Instruments nicht eindeutig erkennbar sind. Der Bildkommentar entspricht fast wörtlich Sachs' Ausführungen über dieses Instrument 11. Bei Maurers Abbildung des laotischen Khens (Abb. 9) fehlen bei vier Pfeifen die Grifflöcher, und die übrigen Grifflöcher sind viel zu hoch eingezeichnet. Maurers Instrument ist damit unspielbar. Dieser Fehler Maurers ist unverständlich, denn in Abb. 11 (S. 16) ist die Spielweise des Khens klar ersichtlich. Den gesamten Kommentar zu dieser Abbildung hat Maurer von Sachs' Instrumentenbeschreibung 11 plagiiert. Nach dieser verwirrenden Aufzählung der unterschiedlichsten Instrumente mit durchschlagenden Zungen folgt ein Abschnitt (S. 14-16), in dem Maurer die Gegen- und Aufschlagzunge von der durchschlagenden Zunge abgrenzt. Erst hier versucht er, eine definitorische Basis für das gesamte Kapitel zu schaffen. Ein logischer und systematischer Aufbau des Textes ist nicht zu erkennen, denn Maurer versucht sich erst an der Bestimmung des Begriffs „durchschlagende Zunge", nachdem er ihn wiederholt verwendet hat:
„Die Durchschlagzunge (oder auch Freizunge, freischwingende Durchschlagzunge) ist eine Metall- oder Rohrlamelle, die nicht wie die Klarinettenzunge (Blatt) auf, sondern frei durch ihren Blechrahmen, aus dem sie herausgeschnitten ist, hindurchschwingt. Wir erkennen eine grundsätzliche Ähnlichkeit mit den Harmoniumstimmen. Die Klangfarbe richtet sich nach Größe, Form, Schwere, Wachsbelastung und Elastizität der Lamellen und nach der Größe der Pfeife. Von silbriger Feinheit bis zu kreischender Schärfe gibt die durchschlagende Zunge alle Farbstufen her." (S. 15-16)In dieser allgemeinen Definition der durchschlagenden Zunge wird beschrieben, daß eine „Metall- oder Rohrlamelle frei durch ihren Blechrahmen, aus dem sie herausgeschnitten ist, hindurchschwingt." Richtig ist nur, daß eine Metallzunge durch einen metallenen Rahmen schwingt, aus dem sie aber keineswegs bei allen Zungeninstrumenten herausgeschnitten sein muß, sondern auf den sie auch (wie etwa beim Akkordeon) aufgenietet sein kann. Falsch aber ist, daß eine „Rohrlamelle" ebenfalls aus einem „Blechrahmen" herausgeschnitten sein soll, denn sie ist entweder direkt in das Bambusmaterial eingeschnitten, wie Maurer es in dem bereits zitierten Sonner-Plagiat richtig wiedergibt:
„Im unteren Teil der Pfeifen ist die Zunge so eingeschnitten, daß sie durch die Rohrwand frei hindurchschwingen kann." (S. 9),oder sie ist auf einem Rahmen befestigt.
Falsch ist weiterhin, daß die durchschlagende Zunge „eine grundsätzliche Ähnlichkeit mit den Harmoniumstimmen" haben soll, denn die Zungen des Harmoniums sind durchschlagende Zungen. Falsch ist auch, daß bei allen durchschlagenden Zungen die Klangfarbe abhängig sei von der „Wachsbelastung" und von der „Größe der Pfeife", denn dies trifft nur für die Tonerzeugung einiger außereuropäischer Zungeninstrumente (etwa für das Shêng) zu, nicht aber für Akkordeon, Bandonion, Concertina, Harmonium usw.
Die Fülle von Fehlern resultiert daraus, daß Maurer von Curt Sachs die Definition einer speziellen asiatischen durchschlagenden Zunge abschreibt und zu einer allgemeingültigen Definition der durchschlagenden Zunge umformt:
„Die tibeto-birmanische Form der Zunge ist eine Metall- oder Rohr-Lamelle, die nicht wie die Klarinettenzunge auf, sondern frei durch ihren Blechrahmen, aus dem sie geschnitten ist, hindurchschlägt. Die Klangfarbe wechselt, wie wir es von unsern grundsätzlich gleichen Harmoniumstimmen her wissen; sie richtet sich durchaus nach Größe, Form, Schwere, Wachsbelastung und Elastizität der Lamelle und nach den Maßen der Pfeife. Von silbriger Feinheit bis zu kreischender Schärfe gibt die durchschlagende Zunge alle Farbstufen her ..." 12Beim Plagiieren von Sachs' Ausführungen über „Freizungen-Doppelpfeifen" und „Freizungen-Tripelpfeifen" 13 unterläuft Maurer auf Grund seiner Unkenntnis und seiner nachlässigen Arbeitsweise folgender schwerwiegender Fehler: Er bezeichnet die „Freizungen-Doppelpfeife" als „Palaung" und die „Freizungen-Tripelpfeife" als „Kachin" (S. 16). „Palaung" und „Kachin" sind aber keine Musikinstrumente, sondern Volksstämme im Norden Birmas.
Auch bei den Abbildungen dieser Zungenpfeifen
(S. 17, Abb. 12) verwendet Maurer die Namen „Palaung" und „Kachin" ebenso
falsch. Die Abbildung als solche hat er nach einem Foto von Sachs 14
grob vereinfacht derart abgezeichnet, daß Gestalt und Funktionsweise
des oberen Instrumententeils nicht erkennbar sind. Im Bildnachweis (S.
336) gibt Maurer diese Abbildung als seine eigene aus. Auch seine Ausführungen
über die Maultrommel in diesem Zusammenhang hat Maurer von Sachs plagiiert:
| Maurer
(S. 16)
Wir stellen auch eine Ähnlichkeit des Werkprinzips der Durchschlagzunge mit der Maultrommel fest. Gerade die nächstverwandten Maultrommeln, die reinmetallene und die fremdzungige haben die Keilform, die den Durchschlagzungen im Gegensatz zu den aufschlagenden meist eigen ist. |
Sachs
(S. 215)
Die Ähnlichkeit des Werkprinzips stellt die Durchschlagzunge neben die Maultrommel, mit der sie ja auch die Schichtzugehörigkeit teilt. Gerade die nächstverwandten Maultrommeln, die reinmetallene und die fremdzungige haben die Keilform, die der Durchschlagzunge im Gegensatze zur aufschlagenden meist eignet. |
Maurer verwendet die Begriffe „reinmetallene" und fremdzungige" Maultrommel, die der Leser ohne ihre Definition nicht verstehen kann. Sachs hingegen beschreibt und erklärt diese Maultrommeltypen15.
Für Maurers Abbildung 10 (S. 16) ist wiederum ein Foto 16, für seinen Bildkommentar die Beschreibung von Sachs 17 die Vorlage.
Die folgenden Abschnitte über Schwirrholz, Äolsharfe, Jagd- und Musikbogen, die Maurer von Wachsmann 18 plagiiert hat, stellt er ohne jegliche Systematik samt einem in diesem Zusammenhang unverständlichen Exkurs über „Raum und Zeit" (S. 17) vor, ohne daß er zunächst weder den Bezug zu den Zungeninstrumenten im allgemeinen, noch zu denen mit durchschlagenden Zungen im besonderen herstellt.
Danach beschreibt er nochmals eine Maultrommel, wobei er Sachs plagiiert 19. Während Sachs diese Maultrommel als „stufenzungige Schnurmaultrommel" bezeichnet, nennt Maurer sie „stufenzungige oder stumpfzungige Schnurmaultrommel". Dies ist falsch, denn Sachs beschreibt als „stumpfzungige Schnurmaultrommel" ein anderes Instrument. Die Definition der Begriffe, die sich bei Sachs findet, enthält Maurer dem Leser vor.
Sämtliche Nachweise der Maultrommel
in der Literatur und die Beschreibung wichtiger Erzeugungsstätten
des Instruments hat Maurer von anderen Autoren, vor allem von Klier 20
plagiiert, von dem er auch die Geschichte der Maultrommelmacher zu Molln
im genauen Wortlaut abgeschrieben hat:
| Maurer
(S. 20-21)
Die Geschichte der Maultrommelmacher
zu Molln beginnt mit der Errichtung einer
|
Klier
(S. 73-74)
Die Geschichte der Maultrommelmacher
zu Molln beginnt mit der Errichtung einer
|
Diese Synopse ließe sich seitenlang fortsetzen.
Das Kapitel endet mit der Abhandlung des Zupfidiophons Sansa, wobei Maurer wiederum Wachsmann plagiiert 21. Die Abbildung des Instruments (S. 22, Abb. 13) ist nicht von Maurer, wie er in seinem Bildnachweis (S. 336) angibt, sondern wurde im Zusammenhang mit Wachsmanns Aufsatz in dem Buch von Baines abgedruckt 22.
Abschließend versucht Maurer, den Umfang seiner Ausführungen über die verschiedensten Instrumente zu rechtfertigen:
„Es steht aber fest, daß sich die heute benutzten Klangwerkzeuge nur auf einige wenige Urformen zurückfuhren lassen." (S. 22)Dazu im Widerspruch steht eine zuvor genannte Einschränkung:
„Es wäre allerdings absurd, eines dieser Instrumente als Anfangs- oder Beziehungspunkt für unser Akkordeon zu bezeichnen oder gar eine direkte Linie zu finden, die diese Vermutung konkretisieren würde." (S. 22)Es drängt sich angesichts dieser Widersprüchlichkeit erst recht die Frage nach der Legitimation und dem Sinn einer solch umfangreichen Beschreibung in einem Handbuch über das Akkordeon auf.
Kapitel „Harmonika - Versuch einer Begriffsbestimmung" (S. 23-29)
Die in der Kapitelüberschrift angekündigte Bestimmung des Begriffs „Harmonika" erfolgt zunächst nicht, statt dessen setzt Maurer die unsystematische Aufzählung und Darstellung diverser Instrumente fort, indem er wiederholt Roth plagiiert 23.
Maurer betrachtet die von ihm aufgeführten Instrumente Panflöte, Arghül, Shêng, Dudelsack und Regal als „Vorläufer" (S. 24) der „Harmonikainstrumente" und behauptet, daß
„viele Erkenntnisse, die bereits einige Jahrhunderte vor der Erfindung des Akkordeons gewonnen worden waren, sicherlich verarbeitet wurden." (S. 24)Er läßt offen, um welche „Erkenntnisse" es sich dabei handelt. Prinzipiell jedoch können die oben genannten Instrumente nicht als „Vorläufer" des Akkordeons bezeichnet werden. Richtig ist es vielmehr, daß das Akkordeon ein identisches bzw. nahe verwandtes Tonerzeugungsprinzip einiger der oben genannten Musikinstrumente besitzt, bzw. daß sich auch beim Akkordeon die Idee wiederfindet, ein Blasinstrument mit einem Windreservoir herzustellen.
Auch der größte Teil von Maurers Abschnitt über die Glasharmonika 24 ist von Roth25 abgeschrieben, wobei auch dieser Teil nicht frei von Fehlern und Mißverständnissen ist:
Maurer erwähnt, daß Mozart
„1791 ein Adagio und Rondo c-Moll für Glasharmonika, Flöte, Oboe, Viola und Violoncello (KV 617)." (S. 27)komponiert hat. Auf der folgenden Seite (S. 28) befindet sich der Abdruck eines Notenbeispiels mit dem Titel „Adagio für Harmonika von W. A. Mozart". Es entsteht der Eindruck, daß dieses „Adagio für Harmonika" identisch ist mit dem zuvor erwähnten „Adagio und Rondo c-Moll für Glasharmonika". Bei genauerer Betrachtung des Notenbildes fällt jedoch auf, daß diese Komposition nicht in c-Moll, sondern in C-Dur steht. Weiterhin weicht die Besetzungsangabe des Notenbeispiels von der zuvor im Text genannten ab, und man vermißt überhaupt die Angabe der Glasharmonika. Durch den Hinweis „Eingerichtet von Maximilian Schwedler" wird ersichtlich, daß es sich hierbei um eine Bearbeitung handeln muß. Nach Überprüfung im Köchel-Verzeichnis wird ersichtlich, daß die Vorlage dieser bei Maurer abgebildeten Bearbeitung die Solokomposition „Adagio für Harmonika" (KV 617 a = 356) ist.
Was die in der Kapitelüberschrift
angekündigte Begriffsbestimmung von „Harmonika" betrifft, so muß
festgestellt werden, daß Maurer diese nicht selbst gibt, sondern
ebenfalls von Roth abgeschrieben hat, denn sie folgt wie bei Roth auf das
Zitat des Briefes von Franklin, in dem dieser erstmals von seiner Erfindung,
der Glasharmonika, berichtet:
| Maurer
(S. 26)
Mit diesem Brief wurde zum erstenmal einem Musikinstrument der Name 'Harmonika' gegeben. |
Roth
(S. 21)
Mit diesem Brief wurde zum erstenmal einem Musikinstrument der Name 'Harmonika' gegeben. |
Was den Gehalt dieser „Begriffsbestimmung"
angeht, so muß festgestellt werden, daß der hier erfolgte bloße
Hinweis auf das erstmalige Auftauchen eines Begriffs noch bei weitem nicht
dessen Bestimmung ist. Demnach ist das, was Maurer in der Überschrift
als essentiellen Inhalt dieses Kapitels angekündigt hat, nirgends
zu finden.
Kapitel „Georg Joseph Vogler und das Klangideal an der Wende zum 19. Jahrhundert" (S. 30-34)
Schon der Wortlaut der Kapitelüberschrift mag den fachkundigen Leser an einen Vortrag bzw. Aufsatz von Rudolf Sonner mit dem Titel „Georg Joseph Vogler und das Klangideal seiner Zeit" 26 erinnern, und tatsächlich ist Maurer als Plagiator mehrfach Sonner verpflichtet:
Kapitel „Das Harmonium und die Experimentierfreudigkeit um 1800" (S. 35-40)
Gleich zu Beginn legitimiert Maurer das Kapitel über das Harmonium durch den Hinweis auf „viele Berührungspunkte" (S. 35) zwischen Akkordeon und Harmonium. Er kündigt „eine kurze Darstellung der Entwicklung des Harmoniums und vor allem seiner ,experimentellen' Formen" (S. 35) an. Tatsächlich aber beschreibt er die experimentellen Vorformen des Harmoniums ausführlich, wenn auch unsystematisch, indem er im wesentlichen Roth plagiiert 30. Maurer handelt die für die Entwicklung des Harmoniums ausschlaggebenden Erfindungen viel zu kurz ab (z.B. die Erfindung des Harmoniums von Debain), er gibt sie ungenau wieder (z.B. die Erfindung der Perkussionsmechanik: „eine neue Art von Harmoniummechaniken" [S. 39]) oder läßt sie ungenannt (z.B. die Erfindung der Doppelexpression von Mustel 1854). Den einzigen „Berührungspunkt" zwischen Akkordeon und Harmonium, den Maurer thematisiert, ist die eher unwesentliche Tatsache, daß Vorformen des Harmoniums auch in denjenigen Städten hergestellt worden sind, „in denen wir auch ab 1830 Erzeugungsstätten für das Akkordeon finden" (S. 35), wohingegen er wesentliche „Berührungspunkte" wie das beiden Instrumenten gemeinsame Tonerzeugungsprinzip ebenso außer acht läßt wie die Möglichkeit, Harmoniumliteratur auf das Einzeltonakkordeon zu übertragen.
Bei der Einteilung der Harmoniumtypen unterscheidet Maurer Druckluft- und Saugluftharmonium auf Grund der jeweils spezifischen Richtung des Spielwindes, erwähnt aber nicht, daß der entscheidende Unterschied darin besteht, daß das Druckluftharmonium „expressiv" spielbar ist, d.h. dem Akkordeon vergleichbare dynamische Möglichkeiten besitzt, und daß das Saugluftharmonium in der Regel nicht „expressiv" gespielt werden kann, weil dessen Magazinbalg nur einen gleichmäßigen Spielwind zuläßt. Maurer unterläuft ein schwerer sachlicher Fehler, indem er schreibt:
„Schließlich konstruierte die Firma MASON & HAMLIN (Boston, USA) ein Normalharmonium." (S. 39)Richtig ist, daß die Firma Mason & Hamlin seit 1854 Saugluftharmoniums gebaut hat. Das Normalharmonium ist ein Saugluftharmoniumtyp, dessen Disposition nach dem Beschluß der deutschen Harmoniumfabrikanten vom 11. Mai 1903 festgelegt wurde.
Maurer nennt als weiteren Unterschied zwischen Druckluft- und Saugluftharmonium die je nach Instrumententyp verschiedene „Teilung", d.h. die Aufteilung des Harmoniummanuals in Diskant- und Baßspielhälfte, indem er Bie ohne nachprüfbare Quellenangabe zitiert. Aber auch dieser Unterschied ist für die Bewertung dieser beiden Instrumentengruppen ebenso unerheblich wie die Frage der Richtung des Spielwindes.
Völlig unverständlich ist es, daß Maurer das Kapitel mit der elektronischen Orgel beschließt, die das Harmonium abgelöst haben soll:
„Seit der Erfindung der HAMMOND-ORGEL hat die elektronische Orgel (E-Orgel) das Harmonium fast zur Gänze abgelöst." (S. 40)Diese grobe Vereinfachung ist sachlich falsch, denn die Gründe für den Untergang des Harmoniums sind weitaus komplexer und vielschichtiger, als Maurer es den Leser glauben machen will. Seine Ausführungen über die elektronische Orgel treffen in diesem Zusammenhang keinesfalls für das Kunstharmonium zu, weil dessen künstlerisch wertvolle Onginalliteratur (z.B. Reger, Karg-Elert usw.) nicht auf der elektronischen Orgel gespielt wird.
Warum Maurer statt eines Harmoniums eine
elektronische Orgel abbildet, ist in keiner Weise einzusehen und paßt
allenfalls in eine Reklameschrift, nicht aber in ein Kapitel über
das Harmonium, das zudem nur durch eine durch mittlerweile mehrfaches Kopieren
qualitativ sehr schlechte, verschwommene Abbildung einer Physharmonika
(S. 37, Abb. 16) 31 repräsentiert
wird. Die Physharmonika ist eine Vorform des Harmoniums, so daß dem
Leser die Abbildung eines Harmoniums gänzlich vorenthalten wird.
Kapitel „Die Concertina" (S. 121-138)
Maurer faßt die gleichtönige englische Concertina (S. 122-130) und die wechseltönige deutsche Konzertina (S. 131-138) in einem Kapitel mit der Überschrift „Die Concertina" zusammen. Dadurch entsteht eine Verwirrung der Begriffe, denn „Concertina" wird als Oberbegriff für „Concertina" und „Konzertina" genommen. Anstatt die Gliederung nach instrumentenspezifischen Gesichtspunkten vorzunehmen, macht Maurer das unwesentliche Kriterium der Namensähnlichkeit von „Concertina" und „Konzertina" zur Grundlage für die Zuordnung beider Instrumente. Auf Grund der historischen Entwicklung von Konzertina und Bandonion und ihrer instrumentenspezifischen Ähnlichkeit - beide sind einzel- und wechseltönige Handbalginstrumente mit durchschlagenden Zungen und diatonisch angeordnetem Griffsystem 32 - ist es sinnvoll, die Konzertina nicht zusammen mit der Concertina, sondern mit dem Bandonion abzuhandeln.
Den weitaus größten Teil seiner Ausführungen über die englische Concertina hat Maurer wiederum bei anderen Autoren abgeschrieben, wobei er meist Howarths Aufsatz „Instrumente mit frei schwingenden Zungen" 33 plagiiert hat. Das übrige, abgesehen von dem wichtigen Berlioz-Zitat, das in diesem Zusammenhang richtigerweise erscheint, stammt von Roth 34 und von Carlin 35.
Zudem zeichnet sich der Abschnitt über die englische Concertina durch eine überquellende Fülle von sachlich-inhaltlichen Fehlern aus, die Maurer dadurch unterlaufen, daß er selbst beim Plagiieren nachlässig abschreibt und ungeprüft Informationen zusammenträgt und kompiliert, wobei seine Inkompetenz nur zu deutlich wird.
Hier eine Zusammenstellung der Sachfehler:
Daß Maurer sein eigenes Buch nur unzureichend kennt, wird offensichtlich, wenn es im Abschnitt über die deutsche Konzertina im Bericht einer Beurteilungskommission, die er zitiert, richtig heißt:
Bei der höchsten Vervollkommnung dieser Instrumente durch den Engländer WHEATSTONE, bei dem es zuerst als MELOPHON, später als Concertina erscheint ..." (Maurer S. 133)
Ein weiterer folgenschwerer Übersetzungsfehler Maurers zeigt sich im folgenden:
„Es scheint so, daß jedes dieser Geschöpfe losgeschraubt wäre."
„Ich habe den Eindruck, als ob hier ein jedes Geschöpf einen Span im Kopf hätte." 40und von Reich
„Es scheint mir, daß alle diese Geschöpfe nicht ganz richtig im Kopf sind." 41Beide Übersetzungsfehler bringt Maurer in Beziehung zum geringen Gewicht der englischen Concertina, indem er schreibt, daß ein Vortrag auf diesem Instrument „den Eindruck des Loslösens erwecken" müsse. Dies ist eine eindeutige Fehlinterpretation.
„Neben Regondi gab es natürlich eine Reihe anderer Solisten auf der Concertina, und einige davon erreichten weit über England hinausgehenden Ruhm."Die erste Hälfte des Satzes ist zutreffend, die zweite jedoch unbewiesen. Nur Regondi unternahm in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zwei große Konzertreisen außerhalb Englands, die ihm nachweislich einen fulminanten Erfolg einbrachten. Den Nachweis für den „weit über England hinausgehenden Ruhm" anderer Interpreten bleibt Maurer schuldig.
„Weitere englische Komponisten haben Ecossaisen, Sonaten, Sonatinen, Suiten etc. komponiert." (S. 130)
„Erst 1881 gab Oskar Franke die erste Ausgabe in ,neuer' Notenschrift heraus." (S. 136)
Maurer macht also aus dem Notenkäufer
Oskar Franke den Herausgeber der gekauften Noten und aus dem Jahr, in dem
Franke diese Noten erworben hat, das Erscheinungsjahr derselben.
„Die Konzertina war im 19. Jh. auf dem Weg, als Musikinstrument anerkannt zu werden. Davon geben vor allem die Kompositionen von B. Molique (um 1853) Zeugnis. Auch in den Lexika des 19. Jh.s wird der Konzertina der Vorzug gegenüber dem Akkordeon gegeben. Das Bandonion hatte noch mehr Möglichkeiten, es wurde aber zum Spielen von Volksliedern verwendet ..." (S. 138)Maurer redet zunächst von der deutschen „Konzertina", doch im folgenden Satz wird klar, daß er nicht die „Konzertina", sondern die englische „Concertina" meinen muß, für die Molique komponiert hat. Im letzten Abschnitt ist dann wieder unklar, ob Maurer die „Konzertina" oder die „Concertina" meint. Was dieser gesamte Abschnitt am Ende seiner von Roth plagiierten Ausführungen über die deutsche Konzertina für einen Sinn hat, bleibt unklar.
Kapitel „Das Bandonion" (S. 139-144)
Auch den größten Teil seines
Kapitels über das Bandonion hat Maurer von Roth plagiiert 43.
In dem kurzen Kapitel sind ihm wieder
eine ganze Reihe schwerwiegender Fehler unterlaufen:
„Die Modell-Vielfalt war jedoch so groß, daß 1921 der ,Fachverband der Konzertina- und Bandonionbranche' empfahl, ein Einheitsbandonion zu entwickeln. 1925 wurde dann das 144tönige Einheitsbandonion geschaffen". (S. 139).Wiederum verfälscht Maurer den plagiierten Text, wobei ihm gleich mehrere Sachfehler unterlaufen: Nach Roth (S. 77-78) empfahl nicht der „Fachverband", sondern Erich Schmid 1921 die Vereinigung von Konzertina und Bandonion. Erst 1924 empfahl eine Kommission des „Deutschen Konzertina- und Bandonion-Bundes" nach Beratung mit dem „Fachverband der Konzertina- und Bandonion-Branche" eine Einheitstabelle. Diese Empfehlung wurde angenommen und ein Prototyp vorgestellt.
„Die Instrumentenmacher Julius Zademack ... und Fritz Micklitz entwickelten 1911 ein chromatisches Bandonion (siehe Abb. 136). ... Ernst Kusserow ... entwickelte gemeinsam mit Richard Micklitz, dem Sohn des vorgenannten, ein chromatisches Bandonion." (S. 139)Nach Roth S. 85, den Maurer auch hier plagiiert, unternahm zuerst Julius Zademack 1903 den Versuch einer Quintanordnung für das Bandonion. 1911 griff Fritz Micklitz die Idee Zademacks auf und baute ein sogenanntes „Zademack-Micklitz-Bandonion". Von der Kooperation beider, wie man nach Maurer annehmen muß, kann also nicht die Rede sein. Erst 1926 haben Richard Micklitz und Ernst Kusserow das chromatische Bandonion gebaut, das sie 1927 vorstellten.
Maurers unzureichende sprachliche Kompetenz offenbart sich in mehrfacher Hinsicht. Abgesehen von zahlreichen stilistischen Entgleisungen, die in dieser Rezension unberücksichtigt geblieben sind, vermag Maurer die Sachverhalte, die er behandelt, sprachlich nicht korrekt wiederzugeben. Schon die grundlegenden Begriffe (wie beispielsweise „Akkordeon", „durchschlagende Zunge" usw.) bleiben unklar, weil Maurer sie entweder überhaupt nicht oder völlig unzureichend definiert.
Daß Maurer andere Autoren, zudem noch in einem derartigen Umfang, plagiiert, ist die Hauptursache für die zahlreichen Unzulänglichkeiten, Widersprüche und zum Teil schwerwiegenden Fehler. Es lassen sich verschiedene Verfahrensweisen in den Textplagiaten Maurers feststellen. Er schreibt im genauen Wortlaut ab, kürzt oder ergänzt die Quellen, formt sie sprachlich geringfügig um, verdreht die Reihenfolge einzelner Textteile, stellt falsche Zusammenhänge her und verändert die Vorlage derart, daß daraus inhaltliche Fehler resultieren. Einige von Maurer plagiierte Quellen sind an sich schon im Sinne der wissenschaftlichen Nachprüfbarkeit unzureichend und enthalten sachliche Fehler, die Maurer ungeprüft übernimmt. Bedingt durch das Alter der Quellen entspricht der Text nicht dem aktuellen Forschungsstand.
Außer den Textplagiaten lassen sich Bildplagiate nachweisen, die teilweise die Originalabbildungen bis zur Unkenntlichkeit verfälschen. Maurer täuscht bewußt den Leser durch falsche Quellenangaben in seinem Bildnachweis.
Das Plagiat an sich ist eine unehrliche, urheberrechtlich unzulässige Form der Texterstellung. Durch diesen Diebstahl geistigen Eigentums werden zum einen die plagiierten Autoren geschädigt, zum anderen der Leser, dem der angebliche Autor Fremdes als Eigenes verkauft.
Die Kapitel sind nicht nach einer stringenten Systematik und logischen Struktur gegliedert. Wesentliches ist von Unwesentlichem nicht zu unterscheiden, da es gleichrangig im Haupttext erscheint, weniger Wichtiges rückt durch eine besonders umfangreiche Darstellung in den Vordergrund, während Wichtiges zu kurz abgehandelt wird. Dies ist begründet durch den jeweiligen Umfang des Quellenmaterials, das Maurer kompiliert. So läßt sich auch die Widersprüchlichkeit mancher Aussagen erklären, ebenso die für einen Sachtext unangemessene Aufeinanderfolge der verschiedensten Textsorten.
Es ist ein positiv zu bewertendes Vorhaben,
dem Bedürfnis nach einem Standardwerk über das Akkordeon gerecht
werden zu wollen, dieses jedoch lediglich kommerziell auszunutzen, ohne
ihm im geringsten gerecht zu werden, wie Maurer es tut, ist ein Mißbrauch
dieses Bedürfnisses. Dieses Buch ist kein Handbuch, sondern eine unsystematische
Plagiatsammlung voller Fehler, die Maurer auch noch als „ein grundlegendes,
wissenschaftliches Werk über das Akkordeon" (S. 8) ausgibt. Von der
Anschaffung des Buches wird unbedingt abgeraten. Auch den Kollegen- und
Schülerkreis sollte man vor diesem Buch warnen.
Maurer's lack of linguistic competence becomes evident in several places. Apart from many stylistic inconsistencies - which have not been taken into account in this review - Maurer is also not able to express his ideas in a linguistically correct form. The fundamental notions of Maurer's work (such as „accordion", „free reed") remain vague because he either does not define them at all or he does so in a completely insufficient way.
The many inadequacies, contradictions and often serious mistakes are due to the fact that Maurer plagiarizes, and, moreover, he does so to an enormous extent.
Different proceedings are to be seen in
Maurer's plagiarism:
he copies the exact wording, he shortens
or expands the original texts, slightly transforming the diction. He changes
the sequence of some passages, establishes wrong contexts and alters the
source to such a degree that the result is a distortion of facts. Some
of the plagiarized texts are in themselves insufficient as to their scientific
verifiability and contain mistakes which Maurer takes over, neither examining
nor correcting them. Because of the age of the sources the text does not
represent the current state of research.
In addition to the plagiarism of texts there are also plagiarisms of pictures that distort the originals, sometimes past recognition. Maurer deliberately deceives the reader with wrong indications in his list of references.
Plagiarism itself is a dishonest way of writing, inadmissible in copyright. On the one hand the so-called auther harms the plagiarized authors, on the other band the reader who considers the plagiarized ideas to be the author's property.
The chapters are not systematically and logically structured: essential and unessential parts cannot be distinguished from each other.
The project itself should be appreciated, i.e. the wish to write a standard work about the accordion. However, Maurer exploits the demand for such a standard work only to satisfy his commercial interests instead of supplying this demand.
This book is not a book of reference, but an unsystematical collection of plagiarisms, full of mistakes, a book Maurer even makes us believe to be a fundamental scientific work about the accordion.